Jan-Philipp Sendker – Das Herzenhören

Eindruck vor dem Lesen und Erwartungen

Dieses Buch hat zwei Klappentexte, einen auf der Rückseite und einen im Buch.

Klappentext auf der Rückseite:

„Wir erkennen die Liebe nur, wenn wir geliebt werden, so wie wir selbst lieben“

Auf der Suche nach ihrem vermissten Vater reist Julia Win von New York nach Kalaw, einem malerischen, in den Bergen Burmas versteckten Dorf. Ein vierzig Jahre alter Liebesbrief ihres Vaters an eine unbekannte Frau hat sie an diesen magischen Ort geführt. Hier stößt Julia auf ein Familiengeheimnis, das ihr Leben für immer verändert. Die epische Geschichte einer jungen Frau, die lernt, dass ein Mensch nicht mit den Augen sieht, dass man Entfernungen nicht mit Schritten überwindet, und dass man Schmetterlinge an ihrem Flügelschlag erkennen kann.

Klappentext im Buch:

Die junge New Yorker Rechtsanwältin Julia Win weiß, dass sie in Kalaw, diesem malerischen, in den Bergen Burmas versteckten Ort, eigentlich nichts verloren hat. Das Licht, die Geräusche und Gerüche und vor allem die Menschen sind ihr vollkommen fremd. Und doch hat sie diese beschwerliche Reise um die halb Welt auf sich genommen, weil sie hofft, hier etwas zu finden – ihren Vater, der vier Jahre zuvor von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden ist. Ein vierzig Jahre alter Liebesbrief von ihm an eine unbekannte Frau hat Julia auf die Spur geführt. In einem Teehaus wird sie von einem rätselhaften Mann angesprochen, der nicht nur behauptet, ihren Vater zu kennen, sondern auch Details aus Julias Leben. Er beginnt ihr eine Geschichte zu erzählen über Vertrauen und die bedingungslose Liebe, und schon bald kann Julia sich trotz ihres großen Misstrauens den Worten des weisen Mannes nicht mehr entziehen. Wird diese Geschichte, die ihr so unglaublich erscheint, Julia zu ihrem Vater führen?

Dieses Buch wirkt auf mich irgendwie geheimnisvoll. Beide Klappentexte tragen dazu bei, sie machen mich wirklich neugierig auf die Geschichte. Was ist mit dem Vater passiert und was erfährt Julia alles in Burma? Das Cover des Buches trägt zu diesem geheimnisvollen Eindruck bei: Auf blauem Hintergrund die schwarze Silhouette einer Stadt. Oder von einem Tempel? Auf jeden Fall sieht es fremdartig aus, nicht wie Städte, die ich von hier aus Europa kenne. Im Vordergrund sind jedoch in kräftigem rot/orange Muster, Mandala-Artig, aber einfarbig. Dadurch rückt die Silhouette mehr in den Hintergrund. Als läge sie im Nebel und als müsste man erst die Muster überwinden um sie zu finden.

Ich bekam das Buch von meiner Oma geschenkt. Ihre Worte zu dem Buch waren in etwas: „Keine Angst, das ist keine Liebesgeschichte. Also schon irgendwie. Aber es ist keine kitschig erzählte Liebesgeschichte.“  Ähnlich beschreibt auf die Augsburger Allgemeine das Buch, wie auf der Rückseite zu lesen ist:

„Das Herzenhören ist hervorragend erzählt, poetisch geradezu – ohne auch nur einmal Gefahr zu laufen, in Kitsch abzudriften. Lesen!“

Dieser Aufforderung komme ich jetzt gerne nach.

Rezension

3,75 Sterne

 

Handlung  ★★★★

Es gibt zwei Handlungsstränge. Einmal Julia, die auf der Suche nach ihrem Vater nach Burma reist und dort auf U Ba trifft, der ihr eine Geschichte erzählt. Diese Geschichte ist der zweite Handlungsstrang. Zunächst dachte ich, dass mich die Handlung nicht sonderlich interessieren würde. In gewisser Hinsicht war ich da wie die Hauptperson, die die Geschichte, die ihr erzählt wird, zunächst für völligen Blödsinn hält. Doch irgendwann hat mich diese Geschichte einfach in ihren Bann gezogen. Eine schöne Handlung, die durchaus auch ein paar nicht vorhersehbare Wendungen bereit hält.

 

Charaktere ★★★

Die Charaktere sind irgendwie nicht so richtig unterschiedlich. Die Birmanen sind fast alle sehr ruhig, gelassen und geduldig. Und viele von ihnen sind sehr abergläubisch, wobei es hier aber auch Ausnahmen gibt. Die meisten der birmanischen Charaktere finde ich sehr faszinierend (U Ba, Tin Win, Mi Mi): Ihre Ansichten und wie sie mit schwierigen Situationen umgehen. Die Amerikaner sind das genaue Gegenteil. Wobei man von ihnen nur wenige genauer kennenlernt. Und dann ist da die Hauptperson, Julia. Sie ist mir furchtbar unsympathisch. Voller Vorurteile, so wenig offen für die andere Kultur. Ich verstehe nicht, wie sie in ein Land reisen kann und anstatt alles Fremde mit Neugierde zu betrachten, es alles furchtbar finden kann. Zum Glück bessert sich das zum Ende hin, wenn auch wirklich ziemlich spät erst und so ganz sympathisch ist sie mir noch immer nicht.

 

Setting ★★★★

Die verschiedenen Handlungsstränge spielen auch zu unterschiedlichen Zeiten. Die Darstellung von Burma finde ich vor allem sehr interessant. Der Autor beschreibt alles sehr detailliert und man bekommt eine gute Vorstellung von dem Leben dort zur heutigen Zeit sowie zur Zeit gut 50 Jahre früher. Ich wusste vorher so gut wie nichts über das Land, die Leute und das Leben dort und fand es umso spannender, durch dieses Buch mehr darüber zu erfahren.

 

Schreibstil ★★★★

Hier kann ich nicht wirklich viel schreiben. Der Stil gefällt mir ganz gut, das Buch lässt sich gut und ohne zu stolpern lesen. Mir ist jetzt aber auch nichts aufgefallen, was den Schreibstil außergewöhnlich gut machen würde.

 

Meinung nach dem Lesen

Die Beschreibung meiner Oma trifft definitiv zu: Keine Liebesgeschichte, aber irgendwie auch doch. Nicht kitschig. Ich fand das Buch ganz gut. Zum Ende hin konnte ich mich doch noch fast mit der Hauptperson, die mir für etwa 2/3 des Buchs furchtbar unsympathisch war, anfreunden.

Ich kann das Buch durchaus empfehlen, es ist eine schöne Geschichte, aber auch eine wahnsinnig traurige. Wer also lieber etwas Fröhliches sucht, sollte dieses Buch lieber nicht lesen. Wer aber gerne über die Welt, unterschiedliche Sichtweisen und Wahrnehmungen nachdenkt, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Und [mini-Spoiler!]: Wer lieber ein Happy End mag, der sollte ebenfalls davon absehen dieses Buch zu lesen. Das Ende ist zwar auch in einer gewissen Weise schön, aber eben auch traurig.

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