Antje Babendererde – Indigosommer

Es gibt manche Bücher, die muss ich einfach lesen. Egal wie der Klappentext klingt. Dazu gehören vor allem Bücher mit Wölfen oder dem Meer auf dem Cover oder im Titel. Und dann gibt es noch ein paar weitere Themen.

Dieses Buch hat das Meer auf dem Cover. Somit ein „must-read“ für mich. Trotz Klappentext:

„Vom ersten Moment an spürte ich, dass der Ozean voller Geheimnisse war, die sich in seinen dunklen Tiefen verbargen. Der Pazifik sprach zu mir. Wer bist du, schien er zu fragen. ‚Smilla‘, flüsterte ich und hatte auf einmal den salzigen Geschmack von Tränen im Mund.
Ein einsamer Strand am Pazifik, ein Ozean ohne Grenzen, ein Ort voller Magie. Das ist La Push für die Austauschschülerin Smilla, die gemeinsam mit ihren Freunden im Indianerreservat ihr Camp aufschlägt. Doch warum begegnet Conrad, einer der Einheimischen, der Surferclique so feindselig? Was verbergen Alec und Josh, die schon im Jahr zuvor an diesem Strand gezeltet haben? Durch eine schicksalhafte Begegnung lernt Smilla den schwer durchschaubaren Conrad von einer ganz anderen Seite kennen und verliebt sich in ihn. Als das offensichtlich wird, kippt die Stimmung in der Clique schlagartig und Smilla muss erfahren, was letzten Sommer an diesem Strand geschehen ist.“

 

Rezension

 

3,4 Sterne

 

 

Handlung  ★★★

Ansich gefiel mir die Handlung ganz gut. Das Buch spricht viele tiefgehende Themen an und verpackt das Ganze geschickt in einen Teenie-Roman. Dennoch ist es mir ein wenig zu viel Beziehungskram und Geschmachte. Vielleicht bin ich mittlerweile zu alt dafür, dass es mich nicht mehr so interessiert. Aber ich glaube eigentlich, dass ich auch mit 16-18 nicht in dem Ausmaß über solche Dinge nachgedacht habe, wie es die Charaktere im Buch tun. Zur Untermalung hier ein Zitat aus dem Buch:

“Ich beiße nicht”, sagte Conrad. Schade, dachte ich.

Ich dachte eigentlich, dass das Buch einfach eher sachte zuende gehen würde, dass die Clique sich vielleicht noch ein wenig weiterentwickelt und toleranter wird und dass es dann ein Happy End gibt. Natürlich vorher noch irgendein Beziehungsdrama, wie sich das bei solchen Büchern gehört, damit das Happy End noch schöner wird. Doch auf einmal gab es eine drastische Wendung und die gesamte Stimmung des Buches kippte. Die Wendung war für mich sehr unerwartet, doch ich fand sie gut und eigentlich auch passend.

 

Charaktere ★★★

Die Charaktere waren mir teilweise ein wenig zu Klischeehaft, auch wenn man nach und nach entdeckte, dass hinter einigen Charakteren durchaus etwas mehr steckte. Zu überzogen waren auch die Vorurteile, die fast alle Charaktere zu haben schienen. Die Quileute und die Touristen begegneten sich fast ausnahmslos feindselig. Oder es kam mir so vor, weil hauptsächlich die Clique und das nähere Umfeld von Conrad beschrieben wurde. Ich kann mir schon vorstellen, dass es dort so ist. Aber dass sie alle ausnahmslos voreingenommen sind?

Smilla war mir am Anfang sympathisch. Dann fing sie an mich zu nerven. Doch sie macht im Laufe der Geschichte eine Wandlung durch, sodass sie mir dann wieder sehr sympathisch wurde.

 

Setting ★★★★

Das Buch spielt in den USA in der heutigen Zeit. Die meiste Zeit davon in La Push, wo sich das Reservat der Quileute befindet. Anscheinend spielt Stephenie Meyer’s „Twilight“ auch teilweise oder komplett in der Gegend. Jedenfalls wird so etwas angedeutet und die Mädels lesen auch alle das Buch. Ich habe es nie gelesen, finde die Andeutungen aber ganz witzig.

Die Autorin scheint gut recherchiert zu haben wie die Quileute heute leben. Und Auch ansonsten wird das Amerikanische Leben, das ich auch schon  über einen längeren Zeitraum erleben durfte, gut eingefangen.

 

Schreibstil ★★★★

Der Schreibstil gefiel mir gut. Das Buch lässt sich flüssig und schnell lesen. Teilweise ist der Stil leicht humorvoll, auch wenn sich das mit der Zeit der Handlung und mit den ernsteren Themen gibt. Der Wechsel zwischen Smillas ich-Perspektive im Präteritum und Conrads personaler Perspektive im Präsens war für mich zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dann gefiel es mir ebenfalls.  Lediglich auf ein paar umgangssprachlich Wörter hätte man meiner Meinung nach gut verzichten können.

 

Meinung nach dem Lesen

Nach dem Klappentext hatte ich Bedenken, dass es sich bei dem Buch um einen Teenie-Schmacht-Roman handelt und ganz Unrecht hatte ich damit leider nicht. Doch in diesem vordergründig seichten Jugendroman mit Anschmachten, Liebesgeschichte und Dinge zum ersten Mal machen verbirgt sich viel mehr. Keine einfachen, jedoch wichtige Themen. Es geht um Rassismus und Vorurteile, Drogen und psychische Erkrankungen. Manches wird offensichtlicher behandelt, manches nur angedeutet. Und als man sich eigentlich schon fast sicher ist, man wüsste wie alles endet, gibt es noch eine drastische Wendung, die die Stimmung der bis dahin leichten Lektüre völlig umdreht.
Die Charaktere waren mir manchmal etwas zu Klischeehaft, das Verhalten von manchen wunderte mich manchmal. Nerven konnten mich die Charaktere auch ganz gut, aber vielleicht bin ich mittlerweile auch einfach zu alt für gewisse Themen. Wobei ich eigentlich auch fest davon überzeugt bin, dass ich mich auch in dem Alter nie so viel mit solchen “typischen” Teenie-Themen beschäftigt habe. Aber die Hauptperson war mir eigentlich durchgehend sympathisch.
Alles in allem kann ich das Buch empfehlen und dank des schönen Schreibstils ist es auch wirklich schnell gelesen.

 

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