Steffen Kopetzky – Risiko

Zur Zeit des ersten Weltkrieges: Die deutsche Marine gerät im Mittelmeer in Bedrängnis und sucht zunächst Schutz im heutigen Istanbul, wo sie in die Marine des Osmanischen Reiches eingegliedert wird. Mit an Bord ist der junge Funker Sebastian Stichnote. Nach den ersten Seegefechten und dem Verlust einiger guter Freunde, sowie der Abreise seiner Geliebten, hält ihn nichts mehr dort und so schließt er sich einer Gemeimexpedition des Deutschen Reichs nach Afghanistan an. Die Reise wird beschwerlicher als manch einer erwartet hat, immer wieder neue Hindernisse tauchen auf und hinzu kommt noch, dass nicht jeder der Reisenden ist wer er vorgibt zu sein.

In diesem Buch passiert so viel, dass es mir wirklich schwer viel eine Inhaltsangabe zu schreiben. Das eigentlich Zentrale Thema des Buches ist wohl diese Expedition, allerdings geht es um diese doch erst im letzten Drittel des Buches. Wie auch immer. Hier kommt meine Meinung:

Nachdem ich nach dem Prolog ein wenig Skeptisch war (im Präsens geschrieben, was ich eher weniger mag und teilweise mit merkwürdigen Wechseln in der Zeitformen), begann mit dem ersten Kapitel ein wirklich spannendes Buch. Der Schreibstil des Prologs wurde zum Glück nicht beibehalten, das Buch ließ sich danach wirklich gut lesen. Es schildert eindrucksvoll die Schrecken des Krieges und obwohl doch größtenteils aus deutscher Sicht geschrieben, wird hier keins der am Krieg beteiligten Länder als “das Böse” dargestellt, wie es oft bei Büchern mit Kriegsthema ist. Dieses Buch schildert einen ganz anderen Teil der Geschichte des ersten Weltkrieges als den sonst “gängigen”, den man zum Beispiel aus dem Schulunterricht mitbekommt.

Besonders spannend wird das Buch durch die wechselnden Erzählperspektiven. Ohwohl immer aus der dritten Person erzählt, wechselt die Person im Mittelpukt, deren Sichtweise geschildert wird. Dadurch weiß der Leser schnell mehr über die einzelnen Charaktere als die Charaktere der Geschichte selbst übereinader wissen. Und da, wie bereits erwähnt, nicht jeder der Expeditionsteilnehmer der ist, der er vorgibt zu sein, macht das das ganze umso spannender.

Beeindruckend ist auch das umfangreiche Wissen, das in diesem Buch steckt. Man erfährt viel über Literatur, verschiedene Kulturen des nahen Ostens, die Sprachen, den Islam und über Kriegstaktiken. Es ist wirklich beeindruckend. Raffiniert gewählt ist auch der Titel “Risiko”, der sich auf “das große Spiel” bezieht, das regelmäßig in diesem Buch gespielt wird. Auch wenn es nie bei einem anderen Namen genannt wird als “das große Spiel”, wer das Spiel “Risiko” auch nur grob kennt, findet schnell den Zusammenhang.

Wer also einen komplexen historischen Roman sucht, der gleichzeitig auch noch wirklich spannend und gut erzählt ist, dem kann ich dieses Buch wirklich empfehlen.

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(Falls irgendetwas merkwürdig formuliert klingt, bitte ich dies zu entschuldigen. Ich habe Erzählperspektiven und diese ganzen Begriffe ausführlichst auf Englisch gelernt, aber auf Deutsch fehlten mir diese Begriffe auf einmal.. über Hinweise in dieser Hinsicht wäre ich dankbar!)

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