Violet Truelove – Ein Surfer zum Verlieben

Dieses Buch war in meiner ersten (und letzten!) Bookworm Box.

 

Ich hätte dieses Buch freiwillig ganz sicher nicht einmal in die Hand genommen – nur um das einmal klarzustellen. Es ist mir auch durchaus etwas peinlich, einen Eintrag dazu auf meinem Blog zu haben. Aber ich wollte die ganze Buchbox rezensieren. Und da kam ich um dieses Buch wohl nicht herum.

 

Eindruck vor dem Lesen und Erwartungen

Dieses Buch ist das letzte der vier aus der Buchbox. Ich habe es aus gutem Grund bis zum Schluss aufgehoben: Das Äußere ist leider absolut abschreckend.

Das ganze Buch ist grell. Türkistöne und pink in erster Linie. Türkis der Hintergrund, verziert mit pinken Blumen und Schnörkeln. Auf dem Cover noch ein paar Beine, die über irgendwas liegen. Vielleicht ist es ein Boot? Ein Surfbrett? Eine Hängematte? Was auch immer es ist, es sind nackte Beine und Füße und um das eine Fußgelenk ist eine Blumenkette gewickelt. So eine Hawaiikette oder wie auch immer man die nennt.

Der Name der Autorin ist ein Künstlername, das kann man den ersten Seiten des Buches entnehmen. Hinten im Buch ist eine Leseprobe für das Buch Ein Rockmusiker zum Verlieben – na die Autorin ist ja wahnsinnig kreativ mit ihren Buchtiteln. Da musste ich doch kurz einmal ins Internet schauen und ja, Befürchtung bestätigt – es gibt eine ganze Reihe von Ein XXX zum Verlieben 😀 Na, es wird wohl Leute geben, die so etwas lesen…

„Liebesroman“ steht auf dem Cover. Wer hätte das gedacht.

Das absolute Design-Highlight ist jedoch der Klappentext. Pink mit Schattierung steht er auf dem türkis/gelb/pinken „Sonnenuntergang“ (?) auf der Rückseite und hebt sich so schlecht ab, dass man Mühe hat ihn zu lesen. Beziehungsweise, dass man ihn eigentlich gar nicht erst lesen will, aus Angst vor Kopfschmerzen. Daher hier einmal in vernünftigen Farben und gut leserlich:

„Der erste Roman der erfolgsverwöhnten Bestsellerautorin Lindsay Lovejoy handelte von dem hartgesottenen Profisurfer Palmer Warden.

In Erklärungsnot gerät die Autorin, als die Vorlage für diese Romanfigur, der Surfstar Warden Palmer, in ihr Leben tritt. Kann der Bad Boy dem Traumtypen aus ihren Romanen das Wasser reichen?

Oder muss Lindsay erkennen, dass sie all die Jahre für ein Produkt ihrer Fantasie geschwärmt hat?“

Wahrscheinlich läuft es so: Der Surfer ist ganz anders als in den Romanen der Autorin, aber sie schafft es am Ende irgendwie, dass er sich ändert und ein toller Traumtyp wird. Spannend. Ich bewundere auch diese Kreativität der Namenswahl. Die Autorin des Buches nennt sich Truelove, die Autorin in ihrem Buch nennt sie Lovejoy. Und diese Autorin in ihrem Buch hat genau ihre Kreativität bekommen: Für den Namen ihres Romansurfers tauscht sie einfach Vor- und Nachnamen des Vorlagensurfers. Unauffällig.

Ich fürchte leider nicht, aber vielleicht, ganz vielleicht, ist das Buch ja doch ..ehem.. irgendwie wenigstens ein bisschen witzig. Oder vielleicht ist wenigstens der Stil gut. Es hat immerhin knapp 300 Seiten, das könnte lang werden. Nun gut. Wie sagt man so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Rezension

1,5 Sterne

 

Okay. Dieses Buch.. wie beschreibe ich es am besten? Voraussehbar, kitschig, eintönig? Zu viel Geschmachte.

Handlung  ★

Tja, ich möchte ja eigentlich nicht spoilern, aber das habe ich ja bereits in meinen Erwartungen vor dem Lesen. Es lief genau so wie vorhergesagt. Und das Ganze zog sich über endlose 300 Seiten. Es war ein reinstes Geschmachte und hin und wieder Gejammer, weil man sich seine Gefühle nicht eingestehen konnte oder wollte. Das bisschen Handlung, das da war, wurde von den ganzen Schwärmereien völlig verschlungen. Es hätte durchaus gereicht, ein oder höchstens zwei Mal zu erwähnen was für einen tollen Körper Warden doch hat und wie lang Lindsays Beine und wie üppig ihr Busen ist…

Etwas witzig: Die Autorin weiß offensichtlich, dass solche Romane kaum Handlung haben. Ihre Hauptperson ist ebenfalls Autorin von Liebesromanen, bzw. von „romantischen Romanen“, wie sie es bezeichnet. Und diese erklärt bei einem gemütlichen Abend mit Freunden diesen wie das abläuft:

„‘[…] Der Aufbau, sind wir mal ehrlich, ist sowieso immer gleich. Mann und Frau treffen sich, fühlen sich zueinander hingezogen, wollen-Schrägstrich-können diesem Gefühl jedoch aus irgendwelchen Gründen nicht nachgeben, tun es – weil die Begierde einfach zu groß ist – dann trotzdem irgendwann, sind für kurze Zeit glücklich, doch schließlich passiert irgendein Mist und alles schaut danach aus, als würde die Sache den Bach runter gehen. Da wahre Liebe jedoch alle Hindernisse überwindet – das ist im Übrigen die Prämisse all dieser Romane – reißen die beiden Liebenden es doch noch irgendwie rum, heiraten und werden glücklich bis ans Ende ihrer Tage.‘“ (Erklärt Lindsay Lovejoy auf Seite 88)

Ja. Also.. auf Seite 88 wird damit dem Leser schon verraten wie es laufen wird.

Charaktere

Ein Klischee-Charakter nach dem anderen. Die Hauptperson Lindsay Lovejoy. Autorin von Liebesromanen, aber selbst glaubt sie natürlich nicht an diese große Liebe und muss erst überzeugt werden. Wenigstens ist sie nicht so sehr Tussi wie ich zunächst befürchtete. Sie hat eine traurige Vergangenheit, wodurch sie ein paar Sympathiepunkte sammelt, durch ihre andauernde Schwärmerei für Warden verliert sie die aber doch auch schnell wieder.

Warden Palmer ist der typische Bad Boy, der sich nie fest bindet. Ein erfolgreicher Surfer, der es gewohnt ist Groupies und eine Menge weiblicher Fans zu haben. Aber irgendwie verliebt er sich dann doch und will sich ändern.

Die anderen Charaktere sind auch nicht origineller und den Quoten-Klischee-Schwulen gibt es auch. Warum schaffen Autoren es denn nie eine homosexuelle Person einzubauen, die nicht völlig überzogen ist? Es gibt doch auch normale homosexuelle Leute?!

Oh und nicht zu vergessen: Die Autorin hat sich selbst eingebaut. Bei einer Diskussion im Buch ging es darum, ob denn die Autoren von Liebesromanen keinen guten Sex mit ihren Partnern hätten. Und da musste sie sich als Lindsays Freundin und Kollegin einbauen und noch einmal betonten, dass sie das sehr wohl hätte. Außerdem musste sie ihr „dunkles Geheimnis“ der Leserschaft anvertrauen, nämlich dass sie bei solchen Szenen nur an ihren Ehemann denken könne. Ein wahnsinnig dunkles Geheimnis. Ob ihr Mann solche Bücher wohl liest? Oder lesen muss? Und sie es eingebaut hat, damit er sich nicht schlecht fühlt? Armer Kerl.

“Interessant” sind ja teilweise auch die Namen der Personen. Ich wies ja schon darauf hin, dass die Autorin selbst sich den Künstlernamen Truelove gegeben hat. Der Nachname von Lindsay, Lovejoy, ist auch ganz..ja..wunderbar. Und die neue Hauptperson in Lindsays Roman heißt Destiny Toogood. Was für eine Namenswahl.

Setting ★★★

Ja. Sommer, Sonne, Strand. Naja und hin und wieder Regen. Hawaii halt. Passt zur Story.

Schreibstil

Im Großen und Ganzen konnte man es vom Stil her gut lesen. Aber dann waren da leider immer wieder ein paar grammatikalische Sachen, die den Stil einfach furchtbar machten. Hier ein paar Textbeispiele, seht selbst:

„Plötzlich lagen ihr eine ganze Reihe spitzer Erwiderungen auf der Zunge. Nur leider hatte ihre Schlagfertigkeit furchtbar gelitten gehabt.“ (S.53)

„Der größte Fehler war gewesen, dass sie wegen des Babys geheiratet hatten und nicht…nein, das wäre falsch. Es stimmte einfach nicht. Er hatte Tammy geliebt gehabt, […]“ (S.43)

Ich denke, zwei dieser Textpassagen reichen völlig aus. Ihr habt noch nicht genug? Lest das Buch – es ist voll davon! 😛 Am liebsten hätte ich jede einzelne dieser Passagen mit einem dicken roten Stift angemalt und der Autorin geschickt…

 

Meinung nach dem Lesen

Wie gesagt, nur Geschmachte. Oh, toller Körper. Oh, tolle Beine. Oh, toller Hintern. Er riecht so gut! Ich will sie! Blablabla. Man wollte echt, dass es vorbei ist. Und wenn nur mehr Handlung gewesen wäre.. Ich musste mich bei diesem Buch echt durchquälen. Wenigstens war es an manchen Stellen noch halbwegs witzig.

 

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