Emily Bold – Ein Kuss in den Highlands

 

Dieses Buch war in meiner ersten (und letzten!) Bookworm Box.

Eindruck vor dem Lesen und Erwartungen

Das Buch hätte ich eigentlich schon nach dem Lesen des Titels direkt wieder weggelegt..

„Roman“ steht unter dem Titel. Das sagt ansich noch nicht so viel aus, es gibt schließlich viele verschiedene Arten von Romanen. Der Titel lässt jedoch auf einen Liebesroman schließen. Das Cover auch: Eine Landschaft, schottisch vermutlich, die durch die Farbgebung leicht kitschig wirkt. Groß im Vordergrund ein Mädchen, das verträumt/ träumerisch leicht zur Seite guckt. Sie scheint recht leicht bekleidet zu sein, eine Schulter ist frei, man sieht nicht genau, was sie anhat, aber es erinnert an einen Schottenrock.. man sieht eine Art karierten Stoff über einer Schulter. Wer weiß, was die in den Highlands da sonst noch so anstellen außer küssen..

Der Klappentext auf dem Buchrücken unterstützt meinen ersten Eindruck eines Liebesromans:

„Charlotte hat alles, was sich eine Frau erträumt. Einen Job, den sie liebt, einen erfolgreichen Mann an ihrer Seite, und – zu ihrer größten Überraschung – die begehrenswerteste Hochzeitslocation Londons. Doch mitten in den hektischen Hochzeitsvorbereitungen sorgt eine unerwartete Erbschaft für Turbulenzen, denn das Haus in den schottischen Highlands weckt ungeahnte Sehnsüchte.

Und dann ist da noch Matt, der keine Gelegenheit auslässt, sie aus der Fassung zu bringen. „Finde dich selbst“ fordert der Schotte von ihr. Aber was weiß der schon?“

Klingt wahnsinnig spannend.. total nach einem Buch meines Geschmacks (yay…). Meine Vorhersage: Matt ist nicht der Typ, den Charlotte heiraten will. Aber sie entwickelt dennoch Gefühle für ihn, küsst ihn zumindest und dann muss sie sich zwischen London und ihrem Verlobten und Matt und dem Haus in den Highlands entscheiden. Es gibt ein großes Drama und am Ende dann ein tolles Happy End.

Vorne im Buch fand ich noch eine Postkarte, die für das E-Book wirbt und ein Lesezeichen, auf dem auch das Cover des Buches abgebildet ist. Auf der Rückseite des Lesezeichens steht:

„Glück erkennt man nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen.“

Mal wieder so eine Weisheit, die ja so wahnsinnig neu ist, dass man sie unbedingt repräsentativ für dieses Buch auf ein Lesezeichen drucken muss.

Na gut. Die Buchbox hat mir das Buch gebracht, auf geht’s…

 

Rezension

3 Sterne

 

Handlung ★★★

Charlotte Finnegan führt ein geordnetes Leben in London. Sie ist sehr auf ihre gute Erziehung und vernünftige Entscheidungen bedacht. Unerwartet erbt sie ein altes Anwesen in den schottischen Highlands von ihrer Tante. Und durch diese Erbschaft beginnt sie auf einmal widerstrebend ihr altes Leben in Frage zu stellen.

Wie der Klappentext bereits vermuten ließ, war die Handlung doch sehr vorhersehbar. In meiner Erinnerung stand auf dem Klappentext, dass sie einen „tollen Mann“ an ihrer Seite gehabt hätte, nach erneutem Lesen, stelle ich nun fest, dass da nur „erfolgreicher Mann“ steht. Dieser erfolgreiche Mann ist einem als Leser sehr schnell unsympathisch und man fragt sich, was Charlotte eigentlich bei ihm hält. Dagegen findet man Matt direkt sympathisch. Einem als Leser wird also schnell klar, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder, Charlottes Verlobter Francis verändert sich und wird nett, oder aber Charlotte kommt zur Vernunft und serviert ihn ab.

Wie bereits gesagt, ist das ganze sehr vorhersehbar und wenig überraschend. Weshalb ich der Handlung trotzdem 3 Sterne gebe, hat zwei Gründe: 1. Eine kleine überraschende Wendung gibt es am Ende doch noch. Und 2. Neben dem erwarteten sachte dahinfließenden Roman geht es auch um Kunst. Es überrascht ein wenig, so ein Kunstverständnis in einem solchen Buch zu finden, aber es wertet die Handlung doch erheblich auf. So traurig das auch klingen mag…

Charaktere ★★

Obwohl ich zu manchen Charakteren Sympathien und zu anderen das Gegenteil entwickeln konnte, fand ich sie doch allesamt im Großen und Ganzen eher weniger originell. Charlotte, die typische Figur, die sich selber finden soll. Eine Frau, die sich selbst aus Angst vor ihren Gefühlen und auch durch den Druck ihrer Umgebung verklemmt verhält. So sehr, dass es einen teilweise wirklich schon sehr nervt. Aber trotzdem ist sie einem, mir vielleicht auch durch ihre große Liebe zur Kunst, irgendwie sympathisch.

Dann ist da Francis, ihr Verlobter. Der geschniegelte und eitle reiche Großstadttyp. Der alles bekommt was er will und dem es in erster Linie um sein Image und nicht um andere Leute geht. Als Leser durchschaut man ihn sofort und würde ihm am liebsten direkt mal die Meinung sagen, einen Drink überkippen oder gegen das Schienenbein treten..

Und dann ist da Matt, quasi das Gegenteil von Francis. Er ist der etwas wilde und direkte Schotte, der mitten im Nichts lebt und gewisse Vorurteile gegen die Leute aus der Stadt hat. Mal frech, mal herausfordernd, durchaus einfühlsam. Aber auch verschlossen wenn es um ihn selber geht. Man mag ihn direkt.

Und dann gibt es noch ein paar kleinere Charaktere, Francis‘ schrecklich eingebildeten besten Freund, einen Profifußballer mit Modelfreundin, Francis‘ Mutter Margaret, die für die anstehende Hochzeit alles bis ins lächerlichste Detail planen muss und sowieso immer am besten weiß, was für Charlotte gut ist. Jack, der gutmütige Vater von Matt, der Charlotte direkt Halt gibt. Rory, der schwule Galerist, der alle Klischees eines Homosexuellen erfüllen muss. Schmierige Anwälte und Makler, nervige Designerinnen und Schneiderinnen, denen das Kleid wichtiger ist als die Person darin..

Also ja, wie gesagt, leider nicht wirklich originell. Schade.

Setting ★★★

Das Setting wechselt zwischen London und den schottischen Highlands. London wird als laut, geschäftig und anonym beschrieben. Typisch Großstadt, meistens befindet man sich hier in der Galerie oder in reicher Gesellschaft. Schottland dagegen wird sehr idyllisch, ruhig und einfach schön dargestellt. Selbst das meistens miese Wetter, das beschrieben wird, kann dem schönen Bild Schottlands nichts anhaben.

Schreibstil ★★★★

Das Buch ließ sich gut und schnell lesen. Ich bin hier über keine stilistischen Dinge gestolpert, die mich gestört hätten.

 

Meinung nach dem Lesen

Das Buch war schon größtenteils so wie ich es erwartet hatte – vorhersehbar und mit viel Gefühlschaos. Aber es hat mich doch auch positiv überrascht. Neben einfach nur einer eher flachen Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen oder auch einer Art Liebesdreieck, ging es hier noch um eine ganz andere Liebe: Die Liebe zur Kunst. Und das wertet, wie ich finde, das Ganze nochmal erheblich auf. Kann ich das Buch empfehlen? Nun ja, wenn jemand etwas Spannendes oder Anspruchsvolles sucht, nicht. Aber wenn man einfach eine kurze Ablenkung sucht, seichte Unterhaltung, nichts Anspruchsvolles, dann kommt dieses nur knapp 200 Seiten lange Buch gerade recht.

 

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